Islamische Identität und anti-westlicher Diskurs im Iran des 20. Jahrhunderts PDF

Der Staatsfeind Nummer 1 Das Feindbild Islam wurde gehegt, gepflegt und wiederbelebt, um weltweit Krieg, Ausbeutung und Unterdrückung zu rechtfertigen. Islamfeindlichkeit ist keine Erscheinung und Folge unserer heutigen Zeit. Auch die Aufklärung brachte ein Islambild hervor, das alles, islamische Identität und anti-westlicher Diskurs im Iran des 20. Jahrhunderts PDF Europa sich abgrenzen wollte, auf den Orient übertrug: Rückständigkeit, Fanatismus, Wissenschaftsfeindschaft und Despotismus.


Författare: Thorsten Reuter.
Magisterarbeit aus dem Jahr 2007 im Fachbereich Orientalistik / Sinologie – Islamwissenschaft, Note: 1,8, Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg (Institut für Relgigionswissenschaft), 68 Quellen im Literaturverzeichnis, Sprache: Deutsch, Abstract: Die Geschichte Irans im zwanzigsten Jahrhundert war geprägt von Abgrenzungs- und Eigenständigkeitsbestrebungen. Der hegemoniale Einfluss des Westens schuf das Paradigma einer allmählichen Verwestlichung weiter Teile der iranischen Gesellschaft. Erst das Wissen um das tatsächliche Ausmaß der wirtschaftlichen und kulturellen Penetration des Westens lässt die Eindeutigkeit und – wie man anhand der derzeitigen Debatte feststellen kann – vor allem die Nachhaltigkeit der iranischen Positionen verständlich werden.
Eine kulturwissenschaftlich geprägte Religionswissenschaft ist in der Lage, die spezifisch als ‚religiös‘ verhandelten Identitätskomponenten des iranischen Diskurses in den Blick zu nehmen und in ihrer Entwicklung zu beleuchten. Die gesellschaftlichen Veränderungsprozesse, die vor allem in den 60er und 70er Jahren des 20. Jahrhunderts unter der Führung Mohammad Reza Schahs in ihrer Wirkungsmacht alle Teile der iranischen Gesellschaft erreichten, führten zu einer Gegenreaktion, die den Absichten des Schah-Regimes diametral entgegenlief und in Gestalt des Islam ein ebenso starkes wie identitätsstiftendes Gegenparadigma hervorbrachte. Dem Islam, genauer gesagt, der schiitischen Ausprägung des Islam, wurde die Rolle eines Bewahrers und Beschützers einer eigenen schiitisch-iranischen Identität zugeschrieben. Wie zu sehen sein wird, veränderten sich dabei nicht nur grundsätzliche Lehrinhalte schiitisch-theologischer Apologie, sondern auch gewisse gesellschaftliche Funktionalitäten von ‚Religion‘. Der schiitische Islam, die Schia, erfuhr auf verschiedenen Ebenen von klassisch-konservativen Mustern abweichende, jedoch keinesfalls einheitliche Neuinterpretationen. Grundsätzlich jedoch sah man in ihm ein Instrument, die bestehenden und als ungerecht erachteten Gesellschaftsverhältnisse herauszufordern. Der Islam wurde somit Teil eines Diskursfeldes, auf dem ein inneriranischer Konflikt um Macht und Werte ausgetragen und um die ideale Art und Weise gesellschaftlichen Zusammenlebens gerungen wurde.
Die vorliegende Arbeit versucht, die gegenwärtige Debatte um den Iran aus kulturwissenschaftlicher Perspektive zu differenzieren, indem sie vor allem die im religiösen Identitätsdiskurs beheimateten Hintergründe und Eigenlogiken für die iranischen Positionen in diesem Konflikt sichtbar werden lässt.

Die Stärke und Wucht, mit der der antimuslimische Rassismus sich durchsetzte, wäre ohne die lange Geschichte des Feindbildes Islam in Europa nicht denkbar gewesen. Der Islam ist neben dem Judentum das älteste und wirkungsmächtigste Feindbild auf dem Kontinent. Als sich Europa im Mittelalter als Kontinent mit einer eigenen Identität zu konstituieren begann, tat es das unter Ausschluss aller orientalischen Einflüsse und in Abgrenzung gegen den Islam. Europäer sein hieß vor allem kein Muslim zu sein. Viele der heute gängigen antimuslimischen Stereotype wurden bereits im Mittelalter ausgebildet und in der Folgezeit erweitert. Sie schlummerten im europäischen kollektiven Gedächtnis und es war ein Leichtes, sie zu gegebener Zeit wiederzubeleben. Der Islam war seit seiner Entstehung im 7.

Jahrhundert für Europa nicht nur eine religiöse, sondern auch eine geographische, machtpolitische und zivilisatorische Herausforderung. Jahrhundert fielen christliche Gebiete des byzantinischen Reiches wie Ägypten, Syrien und Palästina unter muslimische Kontrolle. Jahrhundert erreichte die arabische Eroberungswelle auch Sizilien und Süditalien. Arabische Schiffe brachten Händler und Räuber an die italienischen und französischen Mittelmeerküsten, wo sie Stützpunkte errichteten. Jahrhundert stießen Muslime ins mittlere Rhonetal vor, griffen Piemont an und gelangten in das Gebiet der heutigen Ostschweiz. Die europäische Auseinandersetzung mit dem Islam begann direkt nach dessen Entstehung im 7.

Jahrhundert und war größtenteils von Feindseligkeit geprägt. Die ersten, die sich über den Islam ereiferten, waren die Kirchenväter. Der Islam hatte Elemente der ihm vorausgehenden monotheistischen Religionen in sich aufgenommen. Das Christentum seinerseits sah sich als allein seligmachender, letztgültiger Glaube und erkannte keine anderen Religionen an.

Andere behaupteten, der Prophet habe seine Inspiration von einer Taube bekommen, die ihm gewohnheitsmäßig Erbsen aus den Ohren pickte. Sehr beliebt war auch die Geschichte, dass ein abtrünniger christlicher Mönch dem Propheten seine Offenbarungen diktiert habe. Einige wenige, zumeist von Geistlichen verfasste Schriften prägten das Islambild des frühen Mittelalters. Ismailiten zuschrieb, wurde auf die Anhänger der neuen Religion Islam übertragen. Werk wie Isidor von Sevilla, dem ebenfalls große Autorität zukam.

Er beschäftigte sich mit dem Begriff der Sarazenen, der sich mehr und mehr als Bezeichnung für die Muslime durchsetzte. Autorin, die Sarazenen mit den klassischen römischen Götzenanbetern gleichsetzte und damit eine neue literarische Tradition schuf. Hrotsvit schilderte einen Sarazenen, der von den Dämonen besessen ist, die er anbetet. Eine neue Qualität der Auseinandersetzung kristallisierte sich im neuen Jahrtausend heraus, als am 27. Die zahllosen innerchristlichen Kriege und Fehden sollten beendet und an ihre Stelle eine innerchristliche Allianz für den Krieg gegen die Muslime gesetzt werden.

Bernhard von Clairvaux, der der Nachwelt als namhafter Theologe gilt und von der Kirche heiliggesprochen wurde, steht beispielhaft für dieses neue militante Christentum. Ein Soldat Christi tötet sicher, stirbt aber noch sicherer. Für ihn nämlich ist es gut, wenn er stirbt. Für Christus aber, wenn er tötet. Beispiel herausragender psychologischer Kriegsführung betrachtet werden.