Elternvereinbarungen im Sorge-und Umgangsrecht PDF

Das Wechselmodell wird oft als Alternative zum Residenzmodell betrachtet. Die Voraussetzungen, unter denen das Wechselmodell sinnvoll ist, sind umstritten. Die Bezeichnung Wechselmodell ist zwar allgemein gebräuchlich, aber unpräzise, da sie verschiedene Elternvereinbarungen im Sorge-und Umgangsrecht PDF von Modellen bezeichnen kann.


Författare: Stephan Hammer.
Mit der Reform des Kindschaftsrechts wurde die Eigenverantwortung getrennt lebender und nicht verheirateter Eltern bei der Ausübung der elterlichen Sorge und der Gestaltung des Umgangs mit ihren Kindern gestärkt. Soweit wie möglich sollen nun einvernehmliche Lösungen gerichtliche Entscheidungen
entbehrlich machen. Elternvereinbarungen haben dadurch in der Praxis erhebliche Bedeutung erlangt. Alle mit Familien und Familienrecht befassten Berufsgruppen sehen sich daher vor die Aufgabe gestellt, Vereinbarungen der Eltern zu unterstützen und zu gestalten. Dennoch ist beispielsweise die für die Eltern bedeutsame Frage nicht geklärt, was solche Vereinbarungen letztlich „wert“ sind, wenn ein Elternteil sich daran nicht mehr gebunden sieht. Kann ihre Einhaltung erzwungen, bei einem Verstoß Schadensersatz verlangt werden? Stehen sie nicht vielmehr unter dem Vorbehalt sich wandelnder Verhältnisse, sind Abreden über familiäre Beziehungen überhaupt justiziabel?
Das Buch behandelt umfassend alle Fragen, die sich im Zusammenhang mit Elternvereinbarungen stellen, insbesondere:
– Umfang und Grenzen der elterlichen Gestaltungsfreiheit
– Formbedürftigkeit und sonstige Abschlussvoraussetzungen
– Umfang und Formen der Kindesbeteiligung
– Bindung der Eltern und des Familiengerichts an getroffene Vereinbarungen mit zahlreichen Beispielen aus der Rechtsprechung
– Vergütung von Rechtsanwälten für die Vermittlung von Elternvereinbarungen nach dem RVG
– Aufgaben der am Zustandekommen von Elternvereinbarungen beteiligten Berufsgruppen (Notare, Rechtsanwälte, Richter, Beratungseinrichtungen und Jugendhilfe, Mediatoren, Sachverständige, Verfahrenspfleger)
Ferner werden Mustervereinbarungen für die wichtigsten Gestaltungstypen angeboten und erläutert:
– Sorgemodelle der gemeinsamen Sorge (Residenzmodell mit Modifikationen der gesetzlichen Regelung, Wechselmodell, Nestmodell)
– Vereinbarung der Alleinsorge
– Sorgeerklärungen mit Nebenabreden
– Umgangsvereinbarungen

Das Deutsche Jugendinstitut befasst sich vor allem im Rahmen der aktuellen Forschung mit dieser Frage. Dabei werden auch Studien aus verschiedenen Ländern ausgewertet. Im Gegensatz zum verbreiteten Residenzmodell oder Einzelresidenzmodell, bei dem das Kind sich überwiegend bei einem Elternteil aufhält, sollen beim Wechselmodell die Betreuungszeiten beider Elternteile möglichst gleich sein. Der Familientherapeut Peter Thiel weist darauf hin, dass auch das Einzelresidenzmodell streng genommen ein Wechselmodell sei. Entsprechend bemängelt Christoph Mandla von der Juristischen und Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der Universität Halle das Fehlen einer klaren Definition oder unzureichende Versuche der Begriffsbestimmung durch deutsche Gerichte. Daneben existiert noch die als Nestmodell bezeichnete Form, bei der das Kind dauerhaft in einer Wohnung lebt und die Elternteile das Kind dort abwechselnd betreuen. Da die überwiegende Zahl der praktizierten Wechselmodelle jedoch Doppelresidenzmodelle sind, werden diese Begriffe auch synonym gebraucht.

Weil sich die Rollenverteilung in den Familien wandelt, wächst die Zahl der Väter, die in größerem Maße als dies früher üblich war, bei der Betreuung und Erziehung ihrer Kinder mitwirken. Die Mehrzahl solcher Väter möchte dies nach einer Trennung weiterhin tun. Daneben sind insbesondere auch beruflich stark engagierte Mütter geneigt, nach dem Scheitern der Beziehung mit dem Ex-Partner eine hälftige Betreuung zu vereinbaren. Eine entscheidende Voraussetzung für die Durchführung eines Paritätsmodells wäre die für einen längeren Zeitraum stabile Bereitschaft beider Elternteile zum Erbringen dieser Leistung.

Beide Eltern sollten über annähernd gleichwertige Beziehungs-, Betreuungs- und Förderkompetenzen verfügen, genügend Zeit haben und ernsthaft entschlossen sein, das Kind auch tatsächlich in dem angestrebten Umfang zu betreuen. Außerdem müssen in beiden elterlichen Wohnungen selbstverständlich genügend Platz und kindgerecht ausgestattete Zimmer vorhanden sein. Eltern unterstützen einander in der Elternschaft, respektieren Regeln und Gewohnheiten des anderen und fördern die Beziehung des Kindes zum jeweils anderen Elternteil. Wechseln vom einen ins andere Elternhaus nicht verändert.