Der Maji-Maji-Aufstand in Deutsch-Ostafrika 1905-1908 PDF

1905 bis 1907 war eine Erhebung der afrikanischen Bevölkerung im Süden Deutsch-Ostafrikas gegen die deutsche Kolonialherrschaft. Zugleich gilt er als einer der größten Kolonialkriege in der Geschichte des afrikanischen Kontinents. Anders als der Widerstand, der sich nahezu überall in Afrika gegen die Eroberung durch europäische Mächte bildete, zeichnete sich der Maji-Maji-Krieg durch eine breite Der Maji-Maji-Aufstand in Deutsch-Ostafrika 1905-1908 PDF zwischen Angehörigen verschiedener ethnischer Gruppen und seine Ausbreitung über ein Gebiet von der Größe Deutschlands aus.


Författare: Thorven Lucht.
Studienarbeit aus dem Jahr 1995 im Fachbereich Geschichte Europa – Deutschland – 1848, Kaiserreich, Imperialismus, Note: 1,0, Universität Bielefeld, Veranstaltung: Rassismus in Deutschland im 19. / 20. Jahrhundert, Sprache: Deutsch, Anmerkungen: Der Maji-Maji-Aufstand ist für Teile der Bevölkerung im heutigen Tansania immer noch identitätsstiftend – während er in Deutschland fast völlig in Vergessenheit geraten ist. Die Ereignisse der Jahre 1905 bis 1908 erlauben einen frischen Blick auf die deutsche Kolonialgeschichte und zeigen, wie wichtig es ist, die Perspektive der afrikanischen Völker einzunehmen. , Abstract: Im Jahre 1905 kam es im damaligen Deutsch-Ostafrika, dem heutigen Tansania, zu einem der größten Eingeborenenaufstände der Kolonialgeschichte. In seinen Konsequenzen und vor allem in der Brutalität der deutschen Gegenmaßnahmen war diese sogenannte Maji-Maji-Erhebung weit bemerkenswerter als zum Beispiel der vieldiskutierte Herero- und Hottentottenaufstand in Deutsch-Südwestafrika. Dennoch ist dieses Ereignis "im historischen Bewusstsein der Deutschen so gut wie nicht existent."
Dabei liegt in diesem Fall eine durchaus außergewöhnliche Quellenlage sowie ein zufrieden stellender Forschungsstand vor: Auf deutscher Seite stehen sämtliche Akten der Kolonialverwaltung, unzählige Presseartikel und gar ein (höchst zweifelhaftes) Buch des damaligen Gouverneurs der Kolonie, Graf von Götzen, zur Verfügung. Zudem kann auf ein "Oral History"-Projekt der Universität Dar-es-Salaam zurückgegriffen werden, das auch die Sichtweise der Aufständischen und betroffenen Zivilisten dokumentiert. So präsentiert sich dem Historiker ein ungewöhnlich vielschichtiges, differenziertes Bild der Ereignisse, das bereits Grundlage für mehrere Monographien gewesen ist. Auf die Werke von Karl-Martin-Seeberg und Joseph F. Safari wird hier besonderer Bezug genommen.
Die vorliegende Arbeit stellt dabei die wesentlichen Ursachen, Voraussetzungen und Konsequenzen des Aufstandes sowie seine Bedeutung für moderne Ansätze der Kolonialgeschichte kurz zusammen und reflektiert diese.

Ursachen für den Aufstand waren die repressiven Zustände im kolonialen System und die Ausschaltung der einheimischen Wirtschaft. Eine wichtige Rolle für die Mobilisierung der afrikanischen Bevölkerung spielte der religiöse Kult des Maji-Maji, der die Aufständischen ermutigte, sich über ethnische Grenzen hinweg zu verbünden und sich gegen die militärisch weit überlegene Kolonialmacht zu wenden. Der Maji-Maji-Krieg endete für die afrikanische Bevölkerung mit einer verheerenden Niederlage. Weite Teile Südtansanias, der Region zwischen Malawisee, dem Rufiji im Norden, dem Ruvuma im Süden und dem Indischen Ozean, waren bis ins 17. Jahrhundert kam es durch die Entwicklungen im südlichen Afrika zu einer verstärkten Einwanderung bantusprachiger Völker. Jahrhundert wanderten schließlich die Ngoni ein, die durch eine überlegene militärische Bewaffnung und Kampftechnik ein großes Einflussgebiet aufbauen konnten, indem sie bereits ansässige Völker integrierten oder tributpflichtig machten.

Die Auseinandersetzungen um Land, Menschen und Einfluss in der Region nahmen zu. Ein Faktor, der zusätzlich zu größeren kriegerischen Auseinandersetzungen führte, war der im 19. Jahrhundert einsetzende Handelsboom mit Elfenbein, der große Profite abwerfen konnte. Trotz ihres formal bereits fast zwei Jahrzehnte dauernden Bestehens hatte sich die deutsche Herrschaft in Ostafrika am Vorabend der Erhebung nur punktuell etabliert. Mit dem Aufstand der ostafrikanischen Küstenbevölkerung 1888 wurde endgültig deutlich, dass die DOAG, deren Interessen in erster Linie auf dem Gebiet des Handels lagen, sich übernommen hatte. Sie wandte sich an das Reich um Unterstützung.

Die Wissmann-Truppe schlug im Laufe der nächsten fünfzehn Monate den Aufstand an der Küste nieder, und Wissmann etablierte sich bei anschließenden Kämpfen am Kilimandscharo und in Zentraltansania als der militärische Arm des kolonialen Vorhabens, indem er wichtige Teile der Karawanenrouten unter seine Kontrolle brachte. Die Verwaltung des Gebietes ging nur schrittweise in eine zivile Form über. Die Oberhäupter der 24 Bezirke, in die das Land eingeteilt wurde, waren zum großen Teil Militärangehörige und wurden nur allmählich von Zivilpersonen übernommen. Ein Bezirksamtmann hatte die juristische Gewalt, ihm waren Militär und Polizei zugeteilt, die seine Macht durchsetzen sollten. Die deutschen Beamten und Militärangehörigen herrschten mit repressiven Maßnahmen, körperliche Gewalt war an der Tagesordnung. Auch die Askaris, wie die afrikanischen Soldaten der Schutztruppe hießen, übten ihre Macht mit brutaler Gewalt gegenüber der übrigen ostafrikanischen Bevölkerung aus.

1898 wurde die so genannte Hüttensteuer eingeführt, die in monetärer Form, ein Jahr später auch als Arbeitsleistung erbracht werden konnte. Ein weißer Pflanzer vor seinem Haus in Deutsch-Ostafrika. Auch auf den wenigen entstehenden landwirtschaftlichen Besitzungen von Europäern herrschte ein Willkürregime. Verwaltungsposten waren auch die Farmen und Plantagen eigenständige Machtbereiche, in denen der Landbesitzer wie ein absolutistischer Herrscher walten konnte. Arbeiter mussten, um ihre Steuern zu zahlen, Geld verdienen.