Das soziale Sicherungssystem im Iran PDF

Wie bin ich geworden, wer ich bin? Professorin für Das soziale Sicherungssystem im Iran PDF an der Universität Hamburg, Fachbereich Sozialökonomie, Welckerstraße 8, 20354 Hamburg.


Författare: Mohammad Rahimi.

Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit dem Phänomen der sozialen Sicherung speziell in der iranischen Gesellschaft. Die ökonomische Analyse nimmt dabei eine herausragende Stellung ein. Sie ist in einen interdisziplinären Analyserahmen eingebettet, der einem die Bereiche Ökonomie, Politik, Kultur und Grundwerte integrierenden systemtheoretischen Ansatz folgt. Somit kann die synchrone Existenz traditioneller und moderner sozialer Sicherungslogiken und die damit verbundene institutionelle Heterogenität des sozialen Sicherungssystems analytisch besser erfasst werden.

Wahrnehmung sozialer Ausgrenzung Die Frage nach der Aufrechterhaltung gesellschaftlichen Zusammenhalts gehört zum Kern soziologischer Gegenwartsdiagnosen: Armut hat sich trotz gestiegener Erwerbsquoten nicht verringert, und die steigende Anzahl atypischer Beschäftigungsverhältnisse bringt Verunsicherung mit sich, sowohl materiell als auch für eine langfristige Lebensplanung. Nach offizieller EU-Statistik war 2013 in Deutschland jeder Fünfte von Armut oder sozialer Ausgrenzung betroffen. Damit sind nach Definition von Eurostat, dem Statistikamt der EU, Menschen gemeint, auf die mindestens eins der drei folgenden Kriterien zutrifft: Armutsgefährdung, erhebliche materielle Entbehrungen und die Zugehörigkeit zu einem Haushalt mit sehr geringer Erwerbsbeteiligung. Insbesondere die mit dem Ausgrenzungsbegriff suggerierte simple Gegenüberstellung eines Drinnen und Draußen wird mitunter kritisiert, weil damit die vielfältigen Beziehungen zwischen den In- und Exkludierten aus dem Blickfeld gerieten und eine Stigmatisierung der Ex- und eine Idealisierung der Inkludierten einherginge. Gestützt durch das Sozialberichterstattungssystem der EU wohnt dem Begriff der sozialen Ausgrenzung aber nach wie vor politische Schlagkraft inne. Rahmenbedingungen verknüpft, die gesellschaftliche Teilhabechancen ermöglichen sollen.

Bisherige Versuche, soziale Ausgrenzung empirisch zu messen, konzentrieren sich in der Hauptsache auf Einkommen, Erwerbstätigkeit und Lebensstandard. Integration und Ausgrenzung werden individuell erfahren und spiegeln nicht ohne Weiteres die nach objektiven Kriterien gute oder schlechte Lebenslage wider. Die Messung gesellschaftlicher Teilhabe über subjektive Indikatoren gewährleistet deshalb ein tiefer gehendes Verständnis von Unterversorgungslagen. Wenn Menschen den Anschluss an den durchschnittlichen Lebensstandard einer Gesellschaft verlieren, kann ihre Bindung an den allgemeinen Wertekonsens loser werden, der Abstand zur allgemein gültigen Gesellschaftsordnung größer. Auch die Einbettung in soziale Netzwerke kann eine entscheidende Integrationsdimension sein. Die Qualität und Quantität sozialer Interaktionen in der Familie, Verbindlichkeiten mit Freunden, Bekanntschaften und Beziehungen zu Arbeitskollegen spielen eine Rolle, um sich gesellschaftlich integriert zu fühlen. Auch die Mitgliedschaft in Vereinen und ehrenamtliches Engagement nähren das Gefühl, anerkannt zu sein und eine wichtige Rolle im sozialen Gefüge zu spielen.

Die bisherige Forschung hebt insbesondere die Arbeitsmarktanbindung als Determinante für Teilhabeeinschätzungen hervor: Vor allem Arbeitslose fühlen sich der Gesellschaft nicht mehr zugehörig. Der Bezug von Leistungen nach Sozialgesetzbuch II ist mit einer sich verschlechternden Wahrnehmung von Teilhabechancen verknüpft, mit der Beendigung des Leistungsbezugs verbessert sich diese. Wer in mehreren Lebensbereichen materieller und immaterieller Art dauerhaft benachteiligt ist, beklagt am häufigsten ein Ausgrenzungsgefühl. Die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass materielle und soziale Benachteiligungen kumulieren: Arbeitslosigkeit und Armut wirken sich auf lange Sicht negativ auf die Qualität und Quantität der sozialen Beziehungen aus. Die gute Nachricht ist, dass sich die Wahrnehmung der individuellen Teilhabechancen von 2007 auf 2012 insgesamt nicht weiter verschlechtert hat. Allerdings blickten 2012 immer noch 18 Prozent der deutschen Bevölkerung pessimistisch in die Zukunft, 13 bis 15 Prozent gaben an, dass sie sich nicht zurecht fänden, weil ihnen das Leben zu kompliziert erscheine, oder sie vermissten Wertschätzung für das, was sie tun.

Dafür wurde ein Index über die Ablehnung und Zustimmung hinsichtlich dieser fünf verschiedenen Aussagen gebildet. Je höher der Indexwert, desto höher die aufsummierte Zustimmung zu den fünf Aussagen, desto höher das Ausgrenzungsempfinden. Insbesondere Arbeitslose sind in hohem Maße durch das Gefühl belastet, nicht mehr Teil der Gesellschaft zu sein. Langzeitarbeitslose beklagen mit Abstand am häufigsten die Einschränkung ihrer Teilhabechancen. Erwerbstätigkeit transportiert also auch 2012 in starkem Maße die Wahrnehmung, zur Gesellschaft dazuzugehören. Unbefristet Beschäftigte bringen das stärkste Integrationsempfinden zum Ausdruck. Davon losgelöst sind es zwei Lebensumstände, die ein Ausgrenzungsempfinden mit sich bringen können: auf wenig Sozialkontakte zählen zu können, die im Bedarfsfall mit Rat und Tat sowohl finanziell als auch emotional unter die Arme greifen.